Gehaltserhöhung: wie viel davon netto bleibt
Die Rechnung hinter jeder Lohnerhöhung, mit den Stellen, an denen ein kleines Plus beim Brutto weniger Netto bedeutet.
Von einer Gehaltserhöhung bleibt in Österreich 2026 je nach Einkommen zwischen 49 % und 85 % netto übrig. Bei 3.000 € brutto bringt eine Erhöhung um 3 % brutto 90 € mehr im Monat, netto 51,62 €, also 57,4 % davon; aufs Jahr gerechnet mit Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration sind es 760 €. Der Grund ist die Grenzbelastung: Jeder zusätzliche Euro kostet 18,07 % Sozialversicherung und vom Rest den Grenzsteuersatz des Tarifs nach § 33 EStG, 20, 30, 40 oder 48 Prozent. Eine Falle gibt es knapp über 2.225 €, 2.427 € und 2.630 € brutto: Dort steigt der Arbeitslosenversicherungsbeitrag stufenweise für das ganze Gehalt, und ein Euro mehr Brutto kostet bis zu 16,91 € Netto. Erst ab 2.252 € brutto ist der Verlust an der ersten Grenze wieder aufgeholt. Wird die Erhöhung erst im Herbst wirksam, reicht das Jahressechstel im November nicht ganz; den Teil der Weihnachtsremuneration darüber gleicht meist die Kontrollrechnung im Dezember aus.
Wie viel von der Gehaltserhöhung netto ankommt
Mehr netto pro Monat
51,62 €
| Mehr brutto pro Monat | 90,00 € |
| Mehr netto im Jahr | 760 € |
| Netto-Anteil der Erhöhung | 57,4 % |
Geprüft von Radif Partners · Redaktionsgrundsätze · Berechnungsmethode
Grenzbelastung: was von 100 Euro mehr bleibt
Für eine Erhöhung zählt nicht der Durchschnitt Ihrer Abzüge, sondern was auf den nächsten Euro anfällt. Zuerst geht die Sozialversicherung ab, dann wird der Rest mit dem Grenzsteuersatz des Tarifs nach § 33 EStG besteuert. Über der Höchstbeitragsgrundlage entfällt die Sozialversicherung, dort bleibt mehr vom Plus.
| Brutto pro Monat | SV-Satz | Grenzsteuersatz | von 100 € bleiben |
|---|---|---|---|
| 1.200 € | 15,12 % | 0 % | 84,88 € |
| 1.500 € | 15,12 % | 20 % | 82,45 € |
| 2.000 € | 15,12 % | 20 % | 67,91 € |
| 2.800 € | 18,07 % | 30 % | 57,35 € |
| 3.500 € | 18,07 % | 30 % | 57,36 € |
| 5.000 € | 18,07 % | 40 % | 49,15 € |
| 6.500 € | 18,07 % | 40 % | 49,15 € |
| 8.000 € | 18,07 % | 48 % | 52,00 € |
Bei kleinen Einkommen ist die Lohnsteuer noch null, aber die Sozialversicherung wirkt voll. Im mittleren Bereich kommen Sozialversicherung und 30 Prozent Steuer zusammen, ab 3.722 € brutto 40 Prozent. Der Sprung nach oben bei 8.000 € kommt von der Höchstbeitragsgrundlage: Über 6.930 € kostet ein zusätzlicher Euro keine Sozialversicherung mehr.
Drei Prozent mehr: die Tabelle
Eine Erhöhung in Prozent bringt bei hohen Gehältern mehr Euro, aber einen kleineren Anteil netto. Das Jahresplus enthält die beiden Sonderzahlungen, die meist mitsteigen.
| Brutto vorher | plus brutto/Monat | plus netto/Monat | Netto-Anteil | plus netto/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 € | 60 € | 40,75 € | 67,9 % | 586 € |
| 2.500 € | 75 € | 43,51 € | 58,0 % | 640 € |
| 3.000 € | 90 € | 51,62 € | 57,4 % | 760 € |
| 4.000 € | 120 € | 58,99 € | 49,2 % | 895 € |
| 5.000 € | 150 € | 73,73 € | 49,2 % | 1.119 € |
| 6.000 € | 180 € | 88,48 € | 49,2 % | 1.342 € |
Bei 2.000 € bleibt der größte Anteil: Auch das neue Brutto von 2.060 € liegt unter 2.225 €, es fällt also kein Arbeitslosenversicherungsbeitrag an, und die Lohnsteuer greift erst mit 20 Prozent. Ab 5.000 € kommt nur noch knapp die Hälfte an, weil Sozialversicherung und die 40-Prozent-Stufe zusammenwirken. Wer 2.500 € verdient, zahlt bereits 2 % Arbeitslosenversicherung und dazu 30 Prozent Steuer auf den Zuwachs.
Die Falle an den Grenzen der Arbeitslosenversicherung
Seit 2026 gilt für den Dienstnehmeranteil zur Arbeitslosenversicherung diese Staffel (ÖGK, Arbeitslosenversicherung bei geringem Einkommen): bis 2.225 € null, bis 2.427 € 1 %, bis 2.630 € 2 %, darüber 2,95 %. Der Satz gilt nicht nur für den Teil über der Grenze, sondern für das ganze Monatsbrutto. Wer die Grenze um einen Euro überschreitet, zahlt auf einen Schlag mehr Beitrag, als er gewinnt.
| Grenze | Netto genau an der Grenze | Netto 1 € darüber | Verlust | aufgeholt ab Brutto |
|---|---|---|---|---|
| 2.225 € | 1.775,56 € | 1.760,57 € | 14,99 € | 2.252 € |
| 2.427 € | 1.878,59 € | 1.862,18 € | 16,41 € | 2.457 € |
| 2.630 € | 1.979,37 € | 1.962,46 € | 16,91 € | 2.661 € |
Der Lohnsteuertarif dämpft den Verlust etwas, weil weniger Steuer auf das niedrigere steuerpflichtige Einkommen anfällt; ausgleichen kann er ihn nicht. Liegt Ihr neues Gehalt in einer dieser Lücken, ist es fairer, eine etwas höhere Erhöhung zu verhandeln oder einen Teil als steuerfreie Leistung zu vereinbaren. Für Lehrlinge gilt eine eigene, niedrigere Staffel.
Der Zeitpunkt im Jahr und das Jahressechstel
Am Netto pro Monat ändert der Starttermin nichts. Er beeinflusst aber, wie Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration besteuert werden, weil das Jahressechstel aus den bisher bezahlten Gehältern gebildet wird (§ 67 Abs. 2 EStG). Eine Erhöhung ab Oktober macht die Weihnachtsremuneration im November größer, das Sechstel wächst aber nur mit drei von elf Monaten mit.
| Variante | Jahresnetto | plus gegenüber ohne Erhöhung | Teil der Weihnachtsremuneration über dem Sechstel |
|---|---|---|---|
| ohne Erhöhung | 35.023,96 € | 0 € | 0,00 € |
| 3 % ab Jänner | 35.910,42 € | 886,46 € | 0,00 € |
| 3 % ab Oktober | 35.276,05 € | 252,09 € | 66,82 € |
Im Oktober-Fall liegen 66,82 € der Weihnachtsremuneration über dem Sechstel und werden im November mit dem Tarif versteuert. Im Dezember prüft die Kontrollrechnung alle zwölf Gehälter, dann passt der Betrag ins Sechstel und die Mehrsteuer kommt zurück (Ergebnis im Beispiel: 2,85 €). Wer im Herbst mehr bekommt, sieht also im November ein etwas kleineres Weihnachtsgeld als gedacht und im Dezember ein etwas größeres Gehalt.
Was eine Erhöhung über das Netto hinaus bringt
Ein höheres Brutto wirkt auch dort, wo man es auf dem Konto nicht sofort sieht. Die Beitragsgrundlage steigt, und nach ihr richten sich später das Arbeitslosengeld und die Pension. Der Arbeitgeber zahlt außerdem 1,53 % des Entgelts in Ihre BV-Kasse, die Abfertigung neu wächst also mit jeder Erhöhung. Eine Einmalprämie bringt dagegen nur einmal Geld und erhöht weder das laufende Sechstel noch künftige Sonderzahlungen.
Brutto verhandeln, Netto prüfen
Bevor Sie zusagen, rechnen Sie das neue Gehalt im Brutto-Netto-Rechner durch, mit Ihrem Bundesland, Kindern und Pendlerpauschale; diese Absetzbeträge ändern die Lohnsteuer, aber nicht die Grenzbelastung des nächsten Euros. Wer umgekehrt ein Nettoziel hat, findet das nötige Brutto im Netto-Brutto-Rechner.