Die Arbeitnehmerveranlagung: Lohnsteuer zurückholen

Wer zu viel Lohnsteuer bezahlt hat, wann das Finanzamt von selbst überweist und in welchen Fällen eine Erklärung Pflicht ist.

Mit der Arbeitnehmerveranlagung, umgangssprachlich Steuerausgleich, rechnet das Finanzamt die Lohnsteuer eines Jahres neu, so als hätten Sie gleichmäßig verdient, und berücksichtigt, was die Lohnverrechnung nicht wusste. Den Antrag mit dem Formular L1 oder über FinanzOnline können Sie 5 Jahre lang stellen, für 2026 also bis Ende 2031. Geld bringt er vor allem nach einem Eintritt oder Jobwechsel unter dem Jahr, bei Werbungskosten über dem Pauschale von 132 €, bei Familienbonus, Alleinverdiener- oder Pendlerpauschale, die der Arbeitgeber nicht kannte, und bei kleinem Einkommen: Dann gibt es als SV-Rückerstattung 55 % der Sozialversicherung zurück, höchstens 496 €, mit Pendlerpauschale 750 €, dazu bis zu 804 € SV-Bonus. Wer im Juli mit 3.000 € brutto beginnt, bekommt so rund 2.788 € zurück. Stellen Sie keinen Antrag und hatten nur Lohneinkünfte, überweist das Finanzamt eine Gutschrift ab 5 € auch automatisch. Pflicht ist die Erklärung bei mehr als 14.769 € Einkommen in bestimmten Fällen, etwa bei zwei gleichzeitigen Dienstverhältnissen.

Was zusätzliche Werbungskosten zurückbringen

Ungefähre Gutschrift

140 €

über dem Pauschale von132 €
Grenzsteuersatz30 %

Näherung: Betrag über dem Pauschale × Grenzsteuersatz.

Brutto-Netto-Rechner →

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Warum zu viel Lohnsteuer bezahlt wird

Die Lohnverrechnung rechnet jeden Monat so, als würden Sie das ganze Jahr gleich viel verdienen (oesterreich.gv.at). Wer erst im Juli beginnt, zahlt deshalb von Juli bis Dezember Lohnsteuer wie jemand mit dem vollen Jahresgehalt. Die Veranlagung setzt das tatsächliche Jahreseinkommen an, zieht die Absetzbeträge für das ganze Jahr ab und erstattet die Differenz. Außerdem kennt der Arbeitgeber viele Ihrer Ausgaben nicht: Fachliteratur, Kurse, Arbeitsmittel, Kinderbetreuungskosten oder Krankheitskosten.

Drei typische Fälle mit Zahlen

Nur laufende Bezüge 2026, ohne Kinder und Pendlerpauschale; Sonderzahlungen bleiben mit ihren festen Sätzen unverändert
FallLohnsteuer bezahltSteuer laut VeranlagungSV-RückerstattungGutschrift
Eintritt im Juli, 3.000 € brutto1.702,92 €0,00 €1.084,72 €2.787,64 €
Teilzeit 1.350 € brutto, ganzjährig0,00 €0,00 €1.284,09 €1.284,09 €
3.200 € brutto, 900 € Werbungskosten3.995,76 €3.765,34 €0,00 €230,42 €

Im ersten Fall liegt das Einkommen aus sechs Monaten bei 14.615 €, also unter 19.761 €. Damit steht der volle Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag zu, die Steuer wird negativ, und zur bezahlten Lohnsteuer kommt eine SV-Rückerstattung. Im zweiten Fall wird nie Lohnsteuer einbehalten; das Geld kommt allein aus der Rückerstattung, begrenzt durch die Steuer unter null. Im dritten Fall bringen die 768 € über dem Pauschale den Grenzsteuersatz zurück.

Kindermehrbetrag für Alleinverdiener und Alleinerzieher

Kindermehrbetrag im Jahr

582 €

Tarifsteuer vor Absetzbeträgen118 €
Grenze700 €
Auszahlung überVeranlagung
Familienbonus-Plus-Rechner →

Was Sie in der Veranlagung geltend machen

Laut Finanzministerium lassen sich mit dem Formular L1 und seinen Beilagen unter anderem diese Posten beantragen:

  • Werbungskosten über 132 €: Fortbildung, Fachliteratur, Arbeitsmittel, Gewerkschaftsbeitrag, soweit nicht schon vom Arbeitgeber abgezogen.
  • Pendlerpauschale und Pendlereuro, wenn sie nicht schon in der Lohnverrechnung berücksichtigt wurden (Pendlerrechner).
  • Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag; laut BMF auch dann zu beantragen, wenn er bereits beim Arbeitgeber geltend gemacht wurde.
  • Familienbonus Plus und Unterhaltsabsetzbetrag mit der Beilage L1k, außerdem der Kindermehrbetrag und der Mehrkindzuschlag.
  • Sonderausgaben, die nicht automatisch gemeldet werden; Spenden und Kirchenbeitrag übermitteln die Organisationen selbst.
  • Außergewöhnliche Belastungen mit der Beilage L1ab, etwa wegen einer Behinderung.

Belege legen Sie nicht bei, Sie müssen sie aber sieben Jahre aufbewahren. Auch den Jahreslohnzettel L16 schickt der Arbeitgeber selbst.

Negativsteuer: SV-Rückerstattung und SV-Bonus

Wer so wenig verdient, dass die Absetzbeträge höher sind als die Tarifsteuer, bekommt einen Teil der Sozialversicherung zurück. Nach § 33 Abs. 8 EStG sind es 55 % der Beiträge, höchstens 496 €; mit Anspruch auf Pendlerpauschale höchstens 750 €. Wer Anspruch auf den Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag hat (Einkommen bis 19.761 €, eingeschliffen bis 30.259 €), bekommt dazu den SV-Bonus von bis zu 804 €. Die Erstattung ist immer auf die Steuer unter null begrenzt und läuft nur über die Veranlagung, nie über den Lohnzettel.

Die automatische Veranlagung

Seit es die antragslose Arbeitnehmerveranlagung gibt, verfällt eine Gutschrift seltener. Das Finanzamt veranlagt ohne Antrag, wenn bis 30. Juni des Folgejahres keine Erklärung eingegangen ist, nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte vorliegen und sich eine Gutschrift ergibt. Rechnet es damit, dass Sie selbst noch Ausgaben geltend machen, wartet es; spätestens nach Ablauf des zweiten Folgejahres wird bei einer Gutschrift von mindestens 5 € jedenfalls veranlagt. Wer zum ersten Mal betroffen ist, bekommt in der zweiten Jahreshälfte ein Schreiben mit den gespeicherten Kontodaten.

Die automatische Veranlagung kennt nur, was dem Finanzamt gemeldet wurde. Werbungskosten, Alleinverdienerabsetzbetrag oder Familienbonus fehlen darin. Sie können innerhalb der fünf Jahre trotzdem eine eigene Erklärung abgeben; der automatische Bescheid wird dann aufgehoben.

Pflichtveranlagung: wann Sie müssen

Eine Erklärung ist Pflicht, wenn das Einkommen 14.769 € übersteigt und ein Pflichtgrund vorliegt. Die häufigsten laut BMF:

  • zwei oder mehr gleichzeitige lohnsteuerpflichtige Bezüge, die nicht gemeinsam versteuert wurden, etwa zwei Teilzeitjobs;
  • Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag, erhöhter Verkehrsabsetzbetrag, Familienbonus oder Pendlerpauschale wurden berücksichtigt, obwohl die Voraussetzungen fehlten;
  • andere Einkünfte, etwa aus Vermietung oder einem Werkvertrag, von mehr als 730 € im Jahr; dann ist es eine Einkommensteuererklärung E1;
  • ein Freibetragsbescheid wurde in der Lohnverrechnung berücksichtigt, oder es gab Bezüge aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds.

Die Frist endet am 30. April, bei Abgabe über FinanzOnline am 30. Juni des Folgejahres. Bei zwei gleichzeitigen Jobs folgt oft eine Nachzahlung, weil jeder Arbeitgeber nur sein eigenes Gehalt versteuert hat; danach setzt das Finanzamt meist Vorauszahlungen fest.

Häufige Fragen

Wie viele Jahre rückwirkend kann ich die Arbeitnehmerveranlagung machen?

Fünf Jahre. Der Antrag kann bis zum Ablauf des fünften Jahres nach dem Veranlagungsjahr gestellt werden, für 2026 also bis 31. Dezember 2031. Das gilt auch, wenn das Finanzamt schon eine automatische Veranlagung durchgeführt hat: Ihre eigene Erklärung ersetzt dann den Bescheid. Kommt bei einer freiwilligen Veranlagung eine Nachzahlung heraus, können Sie den Antrag zurückziehen.

Wann macht das Finanzamt die Arbeitnehmerveranlagung automatisch?

Wenn Sie bis 30. Juni des Folgejahres keine Erklärung abgegeben haben, nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte hatten und die Daten eine Gutschrift ergeben. Erwartet das Finanzamt, dass Sie selbst Ausgaben geltend machen, wartet es zunächst; spätestens nach Ablauf des zweiten Folgejahres veranlagt es automatisch, wenn die Gutschrift mindestens 5 € beträgt. Grundlage ist § 41 Abs. 2a EStG.

Wann ist die Arbeitnehmerveranlagung Pflicht?

Wenn Ihr Einkommen 14.769 € übersteigt und ein Pflichtgrund vorliegt: etwa zwei gleichzeitige Dienstverhältnisse, die nicht gemeinsam versteuert wurden, ein zu Unrecht berücksichtigter Alleinverdiener-, erhöhter Verkehrsabsetzbetrag, Familienbonus oder Pendlerpauschale, oder andere Einkünfte über 730 €. Frist ist der 30. April, online der 30. Juni des Folgejahres. Bei Krankengeld fordert das Finanzamt die Erklärung an.

Wie viel bringt die SV-Rückerstattung in der Arbeitnehmerveranlagung bei Teilzeit?

Bei 1.350 € brutto im Monat zahlen Sie auf das laufende Gehalt keine Lohnsteuer, haben aber 2.449 € laufende Sozialversicherung im Jahr. Weil Verkehrsabsetzbetrag und Zuschlag die Steuer unter null drücken, erstattet das Finanzamt 1.284,09 €. Grenze ist die Steuer unter null, höchstens 55 % der Beiträge und 496 € plus Zuschlag (§ 33 Abs. 8 EStG).

Lohnt sich die Arbeitnehmerveranlagung bei Werbungskosten unter 132 €?

Für die Werbungskosten nicht, weil das Pauschale von 132 € schon in jeder Lohnabrechnung abgezogen wird. Erst was darüber liegt, senkt die Steuer, mit Ihrem Grenzsteuersatz. Bei 3.200 € brutto und 900 € Werbungskosten im Jahr sind das 230,42 €. Andere Gründe wie Kirchenbeitrag, Spenden oder ein Jobwechsel können sich trotzdem lohnen.

Kann ich den Familienbonus in der Arbeitnehmerveranlagung nachholen?

Ja. Haben Sie den Familienbonus Plus nicht beim Arbeitgeber beantragt, beantragen Sie ihn mit der Beilage L1k in der Veranlagung, rückwirkend bis zu fünf Jahre. Er beträgt 166,68 € pro Monat und Kind unter 18. Ist Ihre Steuer zu gering, kann stattdessen ein Kindermehrbetrag von bis zu 700 € je Kind ausbezahlt werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

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Quellen

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Herausgeber von Lohn- und Sozialrechnern für Österreich

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